Der Vorstand sagte nein.
Volkswagen-Chef Oliver Blume wollte vier deutsche Werke schließen und weltweit 100.000 Arbeitsplätze abbauen. Der Aufsichtsrat lehnte diese Idee kategorisch ab. Es sollte Geld sparen. Es hat nicht einmal die Abstimmung überlebt.
So funktioniert die Maschine in Deutschland. Es herrschen zwei Bretter. Einer führt aus, einer schaut zu. Der Vorstand unter der Führung von Blume leitet das Tagesgeschäft. Aber der Aufsichtsrat hält die eigentliche Leine. Die Hälfte seiner Mitglieder wird von den Arbeitern selbst gewählt. Sie stimmen über die Strategie ab. Sie wählen Führungskräfte aus. Sie legen Gehaltsschecks fest. Ohne sie kann man keine so großen Schritte machen.
Blume kreist seit Monaten um die Waggons.
Hauchdünne Gewinnmargen. Das ist heute die Mainstream-Marke von VW. Er brauchte eine Lösung. Schnell. Bis Ende letzter Woche hatte sein Team einen Umstrukturierungsplan mit zwölf wirkungsvollen Initiativen ausgearbeitet.
Sie wollen die Modellpalette halbieren.
Reduzierung der Variantenkomplexität um 75 Prozent? Rechnen Sie nach. Das ist brutal. Außerdem wollen sie die jährliche Produktion von 10 Millionen Autos auf 9 Millionen reduzieren. Weniger Produkt. Weniger Autos. Günstigere Rechnungen.
Zumindest dachten sie das.
Es kursierten Gerüchte, dass Blume die Werke Hannover, Zwickau und Emden für den Hackklotz im Visier hatte. Auch das Audi-Werk Neckarsulm war nicht sicher. Das Ziel? 100.000 neue globale Kürzungen bis 2030. Zusätzlich zu den 50.000, die bereits an die Gewerkschaften ausgezahlt wurden. Ein Aderlass.
Überkapazitäten kosten Geld
Dieses Zitat stammt aus einem Intranet-Interview mit Blume selbst. Er argumentierte kalt. Für diese vier Standorte waren in den 203er-Jahren keine neuen Produkte geplant. Ohne zukünftiges Leben waren sie Verbindlichkeiten. Er gab zu, dass „intelligente Lösungen immer besser sind, als eine Fabrik zu schließen“, blieb jedoch seltsamerweise schweigsam darüber, was diese Lösungen eigentlich sein könnten.
Klug vielleicht. Nicht genug für den Vorstand.
Lokale Berichte des Manager Magazins zeigen, dass der 19-köpfige Aufsichtsrat dies abgelehnt hat. Zehn Arbeitnehmervertreter sagten Nein. Zu ihnen gesellten sich zwei Vertreter des Landes Niedersachsen. Der Schließungsvorschlag ist tot.
Was übrig bleibt, ist chaotisch.
VW versucht bereits, andere Vermögenswerte abzustoßen und verkauft das Werk in Osnabrück für Iron Dome-Teile an Rafael Advanced Defense Systems. Waffengeschäfte fühlen sich wie eine völlig andere Welt an, nicht wahr? Aber diese interne Fäulnis geht tiefer als Immobilien.
Das Vertrauen ist weg.
Der Betriebsrat nahm kein Blatt vor den Mund. Sie kritisierten die Mitarbeiter mit einem speziellen Newsletter und stellten einen „massiven Vertrauensverlust“ in Blume fest. Er nahm den Job im Jahr 202 an und versprach, „für die Menschen“ zu arbeiten. Dieser gute Wille verflüchtigte sich. Schnell.
Mittlerweile ist davon aber so gut wie nichts mehr übrig.
Der Rat rief Blume wegen Verzögerungen zur Rede. Dafür, dass er Zehntausende Arbeiter im Unklaren ließ, während sich die Angst breitmachte. Er hielt wichtige Fakten wochenlang zurück. Angst aufbauen lassen. Und dann noch einen Restrukturierungsplan draufwerfen.
Die Fabriken bleiben geöffnet. Zur Zeit.
Blume wollte operiert werden. Der Vorstand gab ihm ein Pflaster. Die Gewinne sind immer noch dürftig. Die Konkurrenz ist immer noch hungrig. Er muss einen Weg finden, die Kosten zu senken, ohne das Unternehmen zu ruinieren. Oder die Menschen darin.
Wir werden sehen, wie lange diese fragile Pattsituation anhält.






















