Mercedes ruft 144.000 Fahrzeuge wegen kritischem Fehler im digitalen Armaturenbrett zurück

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Innerhalb der Mercedes-Benz-Produktpalette sind erhebliche Sicherheitsbedenken aufgetreten, die zu einem formellen Rückruf von 144.000 Fahrzeugen über mehrere Modelljahre hinweg geführt haben. Im Mittelpunkt des Problems stehen die modernen digitalen Kombiinstrumente der Marke, die unerwartet leer werden können und dem Fahrer wichtige Informationen wie Geschwindigkeit, Kraftstoffstand oder Warnanzeigen fehlen.

Während digitale Dashboards erweiterte Funktionen wie Augmented-Reality-Navigation und Rundentimer bieten, bringen sie eine Schwachstelle mit sich, die analoge Messgeräte nie hatten: Totalausfall des Systems. Für Besitzer betroffener Modelle der Baujahre 2025–2026 ist dies nicht nur eine Unannehmlichkeit, sondern ein ernstes Sicherheitsrisiko.

Der Umfang des Rückrufs

Der Rückruf ist umfassend und betrifft eine breite Palette von Mercedes-Benz-Fahrzeugen, die mit Digitalanzeigen ausgestattet sind. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, der auf Nischen-Leistungsmodelle beschränkt ist; es betrifft Kernsegmente des Unternehmensumsatzes.

Betroffene Modelle sind:
– Limousinen der C-Klasse
– E-Klasse-Limousinen
– CLE-Coupés und Cabriolets
– GLC-SUVs (das größte Segment der betroffenen Fahrzeuge)
– SL-Roadster
– AMG GTs und verschiedene AMG Performance-Varianten

Grundsätzlich gilt: Wenn ein Mercedes-Benz, der zwischen den Modelljahren 2025 und 2026 verkauft wird, über ein großes digitales Kombiinstrument verfügt, ist es wahrscheinlich in dieser Kampagne enthalten. Ältere Modelle mit herkömmlichen analogen Zifferblättern wie das W123 oder das 190E sind davon nicht betroffen.

Warum das wichtig ist: Das Risiko des „blinden“ Fahrens

Nach Angaben der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) liegt die Ursache in einem Softwarefehler im Infotainment-Steuergerät. Unter bestimmten Bedingungen löst das System im Rahmen eines Fallback-Protokolls zur Verbesserung der Stabilität wiederholte Resets aus. Während dieser Rücksetzungen kann es jedoch vorkommen, dass das Kombiinstrument vorübergehend nicht mehr funktioniert.

Die Gefahr: Der Verlust der Sichtbarkeit der Geschwindigkeits- und Warnleuchten bei Autobahngeschwindigkeiten (z. B. 75 mph / 120 km/h) birgt unmittelbare Risiken. Fahrer können unbeabsichtigt zu schnell fahren, einen niedrigen Kraftstoffstand nicht bemerken oder wichtige Sicherheitswarnungen übersehen, was die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöht.

Mercedes-Benz versuchte zunächst, das Problem im Stillen durch Over-the-Air-Updates (OTA) und Softwarekampagnen ab 2025 anzugehen. Als jedoch die Beschwerden zunahmen und der regulatorische Druck zunahm, war der Autohersteller gezwungen, die Angelegenheit zu einem formellen Sicherheitsrückruf zu eskalieren.

Lösung und nächste Schritte

Bisher hat Mercedes-Benz keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit diesem Defekt gemeldet. Dennoch bestätigt das Unternehmen den Erhalt zahlreicher Erfahrungsberichte und Gewährleistungsansprüche.

So werden Eigentümer angesprochen:
62 % der betroffenen Fahrzeuge haben das erforderliche Software-Update bereits aus der Ferne über OTA erhalten.
Die restlichen 38 % können nicht drahtlos aktualisiert werden und müssen für die manuelle Softwareinstallation einen Händler aufsuchen.

Die GLC-Reihe stellt den größten Teil des Rückrufs dar, gefolgt von AMG- und Maybach-Modellen mit geringerem Volumen. Besitzer betroffener Fahrzeuge sollten ihren Zulassungsstatus bei Mercedes-Benz überprüfen oder die NHTSA-Website besuchen, um zu bestätigen, ob für ihr Fahrzeug eine Händlerwartung erforderlich ist.

Fazit

Dieser Rückruf verdeutlicht die wachsende Komplexität und potenziellen Schwachstellen softwareabhängiger Automobilsysteme. Obwohl digitale Schnittstellen eine erweiterte Funktionalität bieten, erfordern sie eine robuste Technik, um kritische Ausfälle zu verhindern. Vorerst werden Besitzer von Mercedes-Benz dringend gebeten, dafür zu sorgen, dass ihre Fahrzeuge die aktualisierte Software erhalten, um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb wiederherzustellen.